Elternbeirat OvTG


LEV Info April 2014 / Stimmen zur Diskussion G8/G9

Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e.V.
– Die Vorsitzende –
Mitgliederrundschreiben – Nr. 5/2014 – 4. April 2014
Rückblick auf die Mitgliederversammlung
Ausblick auf das kommende Jahr

Liebe Mitglieder;
auf der Mitgliederversammlung 2014 am vergangenen Wochenende in Augsburg haben wir mit den anwesenden Delegierten lange darüber diskutiert, welche gymnasiale Bildung wir als Eltern für die Zukunft unserer Kinder wollen.
Grundsätzlich sind wir uns einig: Wir wollen das Beste für unsere Kinder und das heißt, auch hier sind wir uns einig: guter Unterricht, der nachhaltiges Wissen vermit-telt, das unsere Kinder zu einem guten Abitur führt und ihnen dann den Weg in und durch ein Studium ihrer Wahl ermöglicht.
Allerdings sind die Vorstellungen über den Weg zu diesem Ziel unterschiedlich; die Frage, auf die sich alles in der Öffentlichkeit fokussiert, ist die Debatte um das System, um G8 oder G9 geworden.
Dabei geht es doch zuallererst um Verbesserungen der Unterrichtsorganisation. Unsere Kinder sollen doch frühzeitig lernen, Verantwortung für ihr Lernen zu tragen.

  • Wir fordern z.B. angesagte kleine Leistungsnachweise für alle, da die Erfahrung an den Schulen, die das schon lange durchführen, sehr positiv ist, die Kinder kommen damit gut zurecht.
  • Wir wollen in der Unterstufe deutliche Verbesserungen in der Methoden- und Sprachförderung,für die Mittelstufe die Wahlfreiheit für mehr Zeit und
    in der Oberstufe die Möglichkeit zu mehr Profilbildung und – damit verbunden – zu mehr Auswahl in den Abiturfächern.
  • Unsere Kinder wollen lernen und auch die Verantwortung dafür übernehmen, aber man muss ihnen bei diesem Prozess die dafür notwendigen Methoden beibringen und ihnen die nötige Wahlfreiheit überlassen!

Im Moment werden nur Konzepte zur reinen Verlängerung diskutiert, ohne die inhaltlichen Schwächen aufzugreifen. Das Volksbegehren der FW, das Eltern ermöglichen will, in der 4. Klasse zu entscheiden, ob das Kind 8 oder 9 Jahre auf das Gymnasium gehen soll – eine scheinbar wunderbare Wahlfreiheit für Eltern, die damit aber schon vor dem Eintritt des Kindes ins Gymnasium gezwungen werden zu entscheiden, was für ihr Kind am besten ist – ohne zu wissen, wie ihr Kind am Gymnasium zurechtkommen wird. Zudem führt diese Wahlfreiheit für kleine Gymnasien am Land zu einer Zerreißprobe und wird letztendlich wieder auf Kosten der Wahlfreiheit unserer Kinder enden.
Wir haben in den letzten Jahren in mehreren „runden Tischen“ gemeinsam mit allen Verbänden das Konzept der individuellen Förderung erarbeitet und kontinuierlich ausgebaut. Ziel war es hierbei, immer dann den Kindern, wenn sie Unterstützung oder Hilfe beim Lernen brauchen, die Möglichkeit zu geben, fachlich fundierte Förderung durch die Lehrer zu bekommen. Dabei ist auch die Idee des Flexibilisierungsjahres in der Mittelstufe entstanden als Option für Einzelne und als „Joker“ für die Q11.
Nun hat der bpv Eckpunkte eines Konzeptes vorgelegt, das für alle eine Verlängerung der gymnasialen Schulzeit auf 9 Jahre vorsieht – mit der Option, für die besonders Guten ein Jahr „zu springen“, unterstützt durch Addita, in denen sich diese Schüler in Zusatzkursen auf den schnelleren Weg in die Oberstufe machen. Allerdings ist das die „Umkehr“ des Flexibilisierungsjahres, da auch hier die Schüler den Klassenverband in der neunten Klasse verlassen müssen, um ohne mittleren Schulabschluss eine Klasse „höher“ zu landen.
Ganz abgesehen davon, dass 9 Jahre Regelschulzeit am Gymnasium auch bedeutet, dass es wieder einen neuen Lehrplan geben wird, der auf 9 Jahre angelegt ist und durchaus auch mehr Inhalte aufweisen wird.

Doch die individuelle Möglichkeit sich für mehr Zeit am Gymnasium zu entscheiden, muss möglich sein, das ist die logische Weiterentwicklung der individuellen Förderung und des Flexibilisierungsjahres.
Hierzu haben wir uns viele Gedanken gemacht und möchten mit dem Vorsitzenden der bayerischen Direktorenvereinigung ein Konzept entwickeln, das Eltern ermöglicht zu wählen, ob ihr Kind die Mittelstufe in 3 oder 4 Jahren durchlaufen soll.
Mitte der 7. Klasse haben die Kinder schon Erfahrung mit dem Gymnasium gemacht, begonnen zwei Fremdsprachen zu erlernen und wir als Eltern können ganz gut abschätzen, wie sie zurechtkommen. Wir entscheiden mit unseren Kindern zusammen, welches Profil sie in der Mittelstufe belegen und können nun – so unsere Idee – auch wählen ob Ihr Kind dafür 3 oder 4 Jahre Zeit braucht. Diese Wahl ist keine Änderung am System, es gibt also keinen neuen inhaltreicheren Lehrplan. Konkret bedeutet das gerade für die Kinder, die unter Belastung und Stress leiden, dass Eltern nun die Entschleunigung wählen können. Der Lehrplan von 3 Jahren wird real auf 4 Jahre gestreckt, die Bücher nicht in 3 sondern in 4 Jahren durchgearbeitet. Die Schule stellt dann nach der Wahl der Eltern – also Profil und Zeit – die Klassen zusammen. Dabei müssen die Kinder den in der 8. Klasse neu gebildeten Klassenverbund in der Regel bis zur Oberstufe nicht mehr verlassen! Kein Kind muss einzeln als Neuer in eine Klasse, weder weil es besser, noch weil es schlechter ist als der Durchschnitt!

Wir sind uns hierbei durchaus bewusst, dass nicht alle Wahlmöglichkeiten auch „erfüllt“ werden können, Eltern also unter Umständen von der Schule informiert werden könnten, dass sie sich entscheiden müssen, ob es ihnen wichtiger ist ihrem Kind mehr Zeit zu geben oder ein bestimmtes Profil.

Mit freundlichen Grüßen
gez.
Susanne Arndt © LEV 2014


PM der Direktorenvereinigung zum Konzept des bpv
Nürnberg, 26. März 2014

„Der große Wurf ist das nicht.“
Karl-Heinz Bruckner, Vorsitzender der Direktorinnen und Direktoren der Bayerischen Gymnasien (BayDV*), kommentiert die heute vom Bayerischen Philologenverband vorgestellten Eckpunkte für ein verlängertes Gymnasium:
„Wenn man feststellt, dass 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit dem G8 gut zurecht kommen und 30 Prozent Schwierigkeiten haben, wie sinnvoll ist es dann, für 100 Prozent ein G9 zu fordern?
Rein optisch sieht das Konzept schick aus. Man darf gespannt sein, was davon übrig bleibt, wenn es um konkrete Inhalte, Kosten und Stundentafeln geht. Die bayerischen Direktorinnen und Direktoren bieten weiterhin ihre Erfahrungen und Kompetenz im nun einsetzenden Dialogprozess an.
Im Gegensatz zum Bayerischen Philologenverband haben die Schulleiter alle Schülerinnen und Schüler im Blick, auch die der Unterstufe. Denn bereits die ganz Kleinen gilt es individuell zu fördern, dann haben sie bessere Voraussetzungen, wenn sie in die Pubertät kommen.»

Wenn man feststellt, dass 70% mit dem G8 gut zurecht kommen, und maximal 30% Schwierigkeiten haben, ist es dann sinnvoll, für 100% ein G9 zu fordern und den 70% zu sagen, ihr könnt ja ein Jahr überspringen, wenn ihr wollt? Mit Vernunft hat das wenig zu tun, eher mit Rechthaberei. Vernünftig wäre, das G8 zu lassen und den 30% die Möglichkeit zu geben, ein Jahr länger in Anspruch zu nehmen.
Diese Möglichkeit könnte das Flexibilisierungsjahr eröffnen, es wurde immerhin auch von einigen hundert Schülerinnen und Schülern im ersten Jahr in Anspruch genommen. Man kann es bekriteln: freiwilliges Sitzenbleiben, die Schüler müssen ihre Klasse verlassen. Man kann es aber auch ausbauen, z. B. die Unterstufe für Schülerinnen und Schüler, die mit individuellen Problemen an das Gymnasium kommen, um ein Jahr strecken. Kinder mit Migrationshintergrund könnten dann z. B. im Fach Deutsch besser gefördert werden. Die zweite Fremdsprache könnte in ihrer Progression verringert werden. Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten könnten mit einem Verhaltenstraining besser integriert werden. Man könnte sich auch eine Streckung der dreijährigen Mittelstufe auf vier Jahre vorstellen. Eltern entscheiden in der Jahrgangsstufe 7, ob ihr Kind eine drei- oder vierjährige Mittelstufe durchlaufen soll und zwar nach konkretem Bedarf und nicht schon von Vornherein aus bloßer Vorsicht. Das wäre eine echte Wahlmöglichkeit, die sich an den Kindern und nicht am System orientiert.
*Die BayDV vertritt den Großteil der Schulleitungen an den 413 Gymnasien in Bayern.
Ca. 387.000 Kinder und Jugendliche besuchen diese Schulart.
http://www.baydv.de


Aktuelle Pressemeldung des BEV – Rückkehr zum G9 gefährdet die Bildung

03.04.2014 Pressemitteilung erstellt von Bayerischer Elternverband e. V.

BEV fordert neues Lern- und Leistungskonzept am Gymnasium

Die bloße Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium gefährdet nach Ansicht des Bayerischen Elternverbands die Qualität der gymnasialen Bildung. Zwar fordere bei Umfragen die große Mehrheit der Eltern ein neunjähriges Gymnasium. „Kinder und Eltern leiden am Gymnasium und denken, sie litten am G8. Dass das Elend des bayerischen Gymnasiums ein grundsätzliches ist und nichts mit der Zahl der Jahre bis zum Abitur zu tun hat, wissen sie nicht“, sagt Maria Lampl, die Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands.

Die Staatsregierung dürfe nicht der Versuchung erliegen, die Öffentlichkeit durch eine Rückkehr zum G9 ruhig zu stellen. Dabei bestehe die Gefahr, dass sich am Lern- und Leistungskonzept des Gymnasiums auf Jahre hinaus nichts ändert. Der BEV begrüßt deshalb die Absicht des Bildungsministeriums, über die Qualität des Gymnasiums zu sprechen und nicht primär über die Dauer.

Das Volksbegehren der Freien Wähler unterstützt der BEV nicht. „Es genügt nicht, einfach wieder ein Jahr dranzupappen und die Mittelstufenschüler mittags nach Hause zu schicken“, sagt Lampl. „Davon wird das Gymnasium nicht besser.“

Bei Fragen zu dieser Pressemitteilung wenden Sie sich bitte an
Ursula Walther, Bayerischer Elternverband e.V.

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LEV Pressemitteilung zur Diskussion G8/G9

Pressemitteilung Nr. 62/2014 München, 20.03.2014

G8 oder G9 – Ist das die Frage?

Die LEV fordert eine weitergehende Betrachtung

Die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e.V. (LEV) fordert eine weitergehende Betrachtung der bildungspolitischen Frage nach der Dauer des bayerischen Gymnasiums. Die wiederentbrannte Frage nach einer längeren Schulzeit am bayerischen Gymnasium zeigt die Unzufriedenheit der Eltern mit der jetzigen Form des G8.
Die Aussage „G8 für alle ist nicht zeitgemäß und G9 für alle ist auch nicht zeitgemäß“ hilft hier aber den Kindern nicht weiter! Wir brauchen Antworten auf die Frage, was ist denn zeitgemäß, was hilft unseren Kindern?

Die LEV fordert:

  • Das jetzige G8 in Unter-, Mittel- und Oberstufe verbessern! Lehrpläne müssen angepasst, verschlankt und fächerübergreifend bearbeitet werden. Und zwar jetzt!
  • Epochales Lernen muss zum Normalfall werden.
  • Jedem Schüler muss die Möglichkeit gegeben werden, individuell einmalig ein Jahr als „Flexijahr“ ein-zuschieben, also unter Verzicht auf bis zu 6 Wochenstunden in den (Nichtkern)-Fächern, in denen die Note besser 4 erreicht wurde.
  • Doppelstundenkonzepte mit entsprechend gestaltetem Unterricht
  • Das Ziel des Gymnasiums in Bayern ist die allgemeine Hochschulreife, die Studierfähigkeit muss ge-währleistet bleiben, die Leistungsbereitschaft der Schüler muss erhalten und gefördert werden – durch abwechslungsreichen Unterricht in Doppelstunden kann allen Schülern wieder Freude an der Schule und langanhaltendes Wissen vermittelt werden.

Die LEV hat durch Umfragen bei Eltern und Schülern erkannt, dass das Abitur für die meisten Schüler in 8 Jahren gut machbar ist (1/3 der Abiturienten hat eine 1 vor dem Komma!), aber für andere ist eine möglichst hohe Flexibilität durch individuelle Intensivierung wichtig. Ein rein systemisches Konzept für 9 Jahre ist zu wenig.
Das Wohl des Kindes muss im Vordergrund stehen und daher ist die Flexibilität der Stein der Weisen.
Nur um es einer vermeintlichen Mehrheit recht zu machen, darf es keine höhere Quantität ohne entsprechende Qualität geben! Nicht AM System schrauben, IM System muss verbessert werden und das jetzt!
Für weitere Fragen stehen Ihnen Susanne Arndt unter 0172 8322178 zur Verfügung.

Seit über 60 Jahren hat die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e.V. ehrenamtlich und gemeinnützig die Aufgabe, die Mitverantwortung der Eltern bei der schulischen Erziehung im Bereich der Gymnasien zu verwirklichen. Sie hat den aus dieser Mitverantwortung der Eltern herrührenden Pflichten und Rechten Anerkennung zu verschaffen. Die LEV vertritt mehr als 500.000 Eltern der Schülerinnen und Schüler an bayerischen Gymnasien. V.i.S.d.P. LEV Bayern e.V. ©