Elternbeirat OvTG

LEV Umfrage 2012/13

Im Schuljahr 2012/13 hat die LEV zum dritten Mal nach 2007 und 2010 eine große Elternbefragung durchgeführt, um den Eltern und natürlich auch den Schülern die Möglichkeit zu geben, die Situation am achtjährigen Gymnasium objektiv und umfassend zu erheben.

Die Auswertung der 62 Fragen bei einer Teilnahme von 20.757 ausgefüllten Fragebögen war sehr umfangreich und zeitaufwändig.

Wir möchten kurz anhand einiger ausgewählter Fragen ein Resümee ziehen.

Haben aus der Unterstufe noch ca. 11.000 Teilnehmer geantwortet, waren es in der Mittelstufe 7.514 und in der Oberstufe noch circa 2.000 Teilnehmer, was wenig anmutet, jedoch fast 10 % eines Abiturjahrgangs bedeutet.

Nach den Klassengrößen befragt haben der Großteil der Teilnehmer Klassenstärken um die 26 angegeben, jedoch auch wenige noch 30 bis 33. In diesen Fällen muss etwas geschehen! Unsere Forderung, dass in der Oberstufe die Kursgrößen keinesfalls 25 Schüler übersteigen sollten, wurde bis auf Deutsch von allen Teilnehmern bestätigt. Etwa 80% gaben an, in der Oberstufe kleinere Kurse zu haben als in der 10. Klasse.

Die Schüler, die mit dem Schulbus bzw. öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs waren, haben pro Woche durchschnittlich etwas mehr als 6 Stunden von und zur Schule benötigt, zu Fuß oder mit dem Fahrrad waren es 2,5 Stunden weniger. Sogar Kinder, die mit dem Auto gebracht und geholt wurden, waren ebenfalls fast 5 Stunden die Woche unterwegs.
Da etwa ein Viertel der Schüler sogar mehr als 2,5 Stunden am Tag für den Schulweg benötigen, werden wir uns in Zukunft für einen verbesserten Schülertransport stark machen und auf eine bessere Abstimmung von Stundenplan und Fahrplan drängen. Wir wissen hier das Kultusministerium auf unserer Seite. Es kann nicht sein, dass Schüler neben Nachmittagsunterricht und etwa 10 Stunden Lernzeit noch zusätzlich über 15 Stunden in der Woche auf der Straße sind.

Freistunden häufen sich hauptsächlich in der Oberstufe, was einerseits der Wahl der Kurse ge-schuldet ist, andererseits zeigen einzelne Gymnasien, dass mit einem festen Stundenplan für die Mehrzahl der Oberstufenschüler keine oder nur wenige Freistunden anfallen.

Viele Schüler aus Mittel- und Oberstufe gaben an, 2 Stunden oder mehr Mittagspause zu haben. Hier ist es wichtig, dass die Schule eine Mensa besitzt, was nun fast überall so ist, und dieses Angebot auch genutzt wird. Erfreulicherweise nutzen besonders Unterstufenschüler ihre Mensa noch gut, während besonders in der Mittelstufe die Begeisterung stark sinkt. Über alle Jahrgangsstufen ist die Bewertung des Essens meist gut, bemängelt werden hingegen die zu langen Wartezeiten.

Erfreulich war die Angabe der 5. – 7. Klässler, dass bei 85% die Hausaufgaben nach dem Betreuungsangebot der Schule erledigt sind. Im Mittel brauchen die befragten Schüler in Unter- und Mittelstufe 10 Stunden für Hausaufgaben und Lernen pro Woche, nur die Schüler der Qualifizie-rungsphase brauchen bis zu 2 Stunden mehr.

Die Verteilung der Lernzeit ist jedoch stark unterschiedlich, während ein Fünftel der Schüler weniger als 5 Stunden die Woche lernen, und über 90% der Schüler maximal bis zu 20 Stunden in der Woche beschäftigt sind, gibt es einen kleinen Prozentsatz von 1-3% der Unter- und Mittelstufe, die sogar zwischen 20 bis 30 Stunden lernen. Diese Spreizung nimmt im Laufe der Jahre zu. In der Oberstufe leisten etwa 10% einen Aufwand von 20 bis 30 Stunden, gleichzeitig lernen bis zu 20% weniger als 5 Stunden die Woche. Helfen in der Unterstufe die Eltern den Schülern noch größten-teils, nimmt die regelmäßige Hilfe in Mittel- und Oberstufe stark ab und die meisten Eltern helfen ihren Kindern nur noch unregelmäßig oder gar nicht. Einerseits werden die Kinder selbständiger, andererseits steigt auch die Nachhilfe, das heißt, dass die Eltern nicht mehr helfen können.

Circa. 50% aller Teilnehmer gaben an, dass die Schule ständig bzw. häufig Auswirkung auf die Familie habe, rund 15 % spürten dagegen keine Auswirkung auf die Familie.
Werden die Intensivierungsstunden in der Unterstufe noch zu 74% bis 86% für sinnvoll und förderlich angesehen, so sind es in der Mittelstufe jedoch über 40%, die die Intensivierungsstunden für wirkungslos bzw. völlige Zeitverschwendung halten. Den Eltern werden eindeutig zu oft Arbeitsblätter ausgefüllt und die Stunden zu wenig dazu genutzt, auf die Stärken und Schwächen ihrer Kinder einzugehen.

Ab der 6. Klasse benötigen regelmäßig über 11% Nachhilfe bzw. etwas mehr noch unregelmäßig Unterstützung. Wie erwartet, brauchen die meisten Nachhilfe in Mathematik und Fremdsprachen. Vielen reichen 1 bis 2 Stunden die Woche. 1-2% der Schüler benötigen sogar 4 oder mehr Stun-den Nachhilfe und ihre Eltern geben dafür bis zu 400 € im Monat aus. Andererseits benötigen über alle Klassen, selbst in der Mittelstufe, rund 70% nie Nachhilfeunterricht.

Gefreut hat uns einerseits, dass 60% der Kinder über alle Jahrgangsstufen genügend Zeit für sich haben, auf der anderen Seite bedeutet es aber auch, dass 40% in ihrer subjektiven Einschätzung nur selten genügend Zeit für sich haben, folglich schon in jungen Jahren gestresst oder stark gestresst sind. Dies kann für die psychische Gesundheit nicht gut sein.

Mehr als ein Viertel, mit zunehmender Tendenz in höheren Jahrgangsstufen, geben an, zu keinen strukturierten Freizeitaktivitäten in der Woche zu gehen. Auf der anderen Seite geben 60-75% eine und mehr Stunden, sogar bis zu 6 Stunden an. Auch hier zeigt sich wieder, dass sich die Kinder in den höheren Klassen noch stärker unterscheiden.

Haben in Unter- und Mittelstufe unsere Kinder noch zu mehr als der Hälfte keine schulbedingten Stresssituationen, klagen in der Oberstufe annähern 70% über häufig bzw. ständigen Stress. Mehr als 18.000 Teilnehmer gaben an, den Schulpsychologen noch nie um Rat gefragt zu haben, 550 jedoch schon mehr als ein Mal.

Schön ist es auch, das 60-80% gerne zur Schule gehen. Auch wenn ab der 8. Klasse bis zum Abi-tur leider 25% eher nicht oder überhaupt nicht mehr gerne zur Schule gehen, fühlen sich die meis-ten Kinder wohl in ihrer Klasse.

Halten in der Unterstufe noch etwa 2/3 der Schüler die Stofffülle für erfüllbar und nicht zu groß, dreht sich dieses Verhältnis ab der Mittelstufe. In der Qualifizierungsphase sind nur noch 1/3 der Schüler dieser Meinung! Nur einzelnen Schülern ist das Lerntempo zu langsam und sie geben an, sich im Unterricht zu langweilen. Die Mehrzahl über alle Jahrgangsstufen ist jedoch der Meinung, dass das Lerntempo in Ordnung ist. Jedoch meint nur die Hälfte aller Schüler, dass der Lernstoff im Unterricht ausführlich besprochen wird. Und ca. 20% der Schüler über alle Jahrgangsstufen verstehen die Erklärungen ihrer Lehrer nicht.

Unsere Eltern sind zu über 90% der Meinung, dass ihr Kind im Unterricht aufpasst und fast alle glauben, dass alle Hausaufgaben erledigt würden. Man sieht jedoch auch, dass nur rund 50% den Unterricht für spannend halten mit ansteigender Tendenz und auch die Hausaufgaben zunehmend weniger kontrolliert werden. Dies ist sicher einerseits ein Widerspruch und an dieser Stelle, würden die Lehrer anders antworten. Andererseits kann man einen Zusammenhang zwischen nicht kontrollierten und nicht gemachten Hausaufgaben vermuten. Genauso unwahrscheinlich ist es, dass Schüler auf Dauer schaffen, im Unterricht voll aufzupassen, wenn sie ihn für langweilig und uninteressant halten.

Glauben in der Unter- und Mittelstufe rund 1/3 der Eltern, ihre Kinder würden aus eigenem Antrieb zu wenig lernen, sind es in der Oberstufe nur noch ca. 20%.

Zu den Fragen des Leistungsanspruchs geben in der Oberstufe knapp ein Viertel der Eltern an, dass ihr Kind zu den Besten des Jahrgangs gehören möchte. Auffallend ist, dass Schüler, die zu den Besten gehören möchten, auffallend weniger unter schulbedingte Stresssituationen leiden als Schüler, für die das überhaupt nicht zu trifft.

Auffallend ist, dass Wissenslücken bei annähernd 75% der Schüler zu ständigem oder häufigem erlebten Stress führen, die Lernzeit dagegen nicht signifikant von Schüler mit wenig oder gar keinen Wissenslücken abweicht.

Da die Fähigkeit zur Anwendung bestimmter Lern- und Arbeitsmethoden stark mit der Effektivität des Lernens zusammenhängt, fragten wir danach. Und es zeigt sich, dass ab der 6. Klasse die überwiegende Mehrheit sich von der Schule hier nicht ausreichend unterstützt sieht. Durch konsequentes Erlernen von Arbeitsmethoden könnten die Lernzeiten, die Wissenslücken und der gefühlte Stress sicher signifikant reduziert werden.

Die überwiegende Zahl der Befragten gibt an, die Benotungskriterien zu kennen, meint jedoch nur zu einem Drittel, dass alle Lehrkräfte diese Kriterien gleichermaßen verwenden. In Unter- und Mittelstufe empfinden die meisten Schüler die Notengebung noch gerecht, in der Oberstufe ist dies für die Hälfte der Schüler nicht mehr gegeben!

In den unteren Jahrgangsstufen scheinen die Schulaufgaben/ noch sinnvoll über das Jahr verteilt, in der 9. und 10. Jahrgangsstufe denken dies noch rund die Hälfte der Schüler. In der Oberstufe würden sich über 70% eine bessere Verteilung der Klausuren über das Schuljahr wünschen.

Interessant bei der Befragung war, dass erst ab der 10. Klasse ein freiwilliges Wiederholen signifikant ansteigt. Bisher scheinen die Schüler und ihre Eltern einer Wiederholung der 8. und 9. Jahrgangsstufe als nicht sinnvoll zu erachten, da bleibt es abzuwarten, ob sich durch das „Flexijahr“ eine Änderung ergibt.

Die W-Seminare unterstützen bei rund 70% der befragten Oberstufenschüler das wissenschaftliche Arbeiten, dagegen sehen mehr als die Hälfte die P-Seminare nicht als unterstützende Berufs-orientierung.

Für den Vorstand der LEV ergibt sich aus dieser Umfrage für das neue Schuljahr eine Reihe von Anknüpfungspunkte. Überall dort, wo die Unzufriedenheit zu groß ist oder sich Unzulänglichkeiten der Schuladministration ergeben, müssen und werden wir tätig werden.

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