Elternbeirat OvTG

LEV Mitgliederrundschreiben – Nr. 13/2013

 Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e.V. 

– Der Vorstand – 

Mitgliederrundschreiben – Nr. 13/2013 – 12. Dezember 2013 

Das bayerische Gymnasium 

 

Sehr geehrte Mitglieder, liebe Eltern;

der Wandel am Gymnasium ist nicht mehr durch die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit um ein Jahr geprägt, sondern vor allem durch die Gegebenheiten der Gesellschaft. Deutlich mehr Kinder eines Jahrganges besuchen das Gymnasium, immer öfter arbeiten beide Eltern, die Heterogenität in den Klassen steigt zunehmend und vieles mehr. Das sind neue Herausforderungen, denen die Gymnasien in den letzten Jahren gegenüberstanden und immer noch stehen, darauf müssen wir eine Antwort geben.

Der Heterogenität in den Klassen kann nur mit einem mehr an Individualismus entgegen gewirkt werden. Deshalb war die deutliche Erweiterung der individuellen Förderung eine zentrale Forderung der LEV in den Verhandlungen zur Weiterentwicklung des Gymnasiums im vergangenen Jahr.

Hier ist aus unserer Sicht der erste Schritt getan. In diesem Schuljahr hat jede Schule zum ersten Mal eine Stundenzuweisung außerhalb des Budgets erhalten, um Wege zur individuellen Förderung zu entwickeln, Konzepte für die Schule zu erstellen und auf die einzelnen Schüler zuzugehen. Im kommenden Schuljahr wird die Zahl der Stunden nochmals erhöht, bis allen Schulen in etwa 24 Stunden zusätzlich – ausschließlich für die individuelle Förderung – zur Verfügung stehen. Das so genannte Flexibilisierungsjahr ist nur ein kleiner Baustein der individuellen Förderung, auch wenn er immer groß ausgebreitet wird, und das Er-reichte ist aus unserer Sicht nur ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Bevor diese Maßnahmen in den Schulen überhaupt greifen konnten, die Wirksamkeit des Frühwarnsystems, die Bausteine der individuellen Förderung zusätzlich zu den Intensivierungsstunden und die Akzeptanz des Flexibilisierungsjahres evaluiert werden kann, hat der bayerische Philologenverband (bpv) in seiner Mitgliederversammlung in Amberg die Rückkehr zum G9 gefordert. Wie Sie alle wissen (RS 10-2012 Ergebnisse des Runden Tisches) haben wir zusammen mit dem bpv, der bayerischen Direktorenvereinigung und dem Kultusministerium in vielen Runden und intensiver Diskussion ein Konzept erarbeitet, das dann nach zwei Sitzungen mit dem Ministerpräsidenten Horst Seehofer von allen Beteiligten be-schlossen worden ist. Insofern verwundert dieser erneute Vorstoß des bpv doch ein wenig, spiegelt er doch wider, dass der Verband nicht bereit ist, den geschlossenen Kompromiss mitzutragen – und unsere bayerischen Abiturienten für nicht studierfähig hält.

An dieser Stelle gilt es, den engagierten, guten Lehrern zu danken, die es entgegen der offiziellen Meinung des Verbandes geschafft haben, „ihre“ Schülern in 8 Jahren zur Hochschulreife zu führen, ihnen nicht nur Freude am Lernen vermittelt haben sondern auch eine gute, solide Basis an Grundwissen mitgegeben haben. Diese Basis der bayerischen allgemeinen Hochschulreife ermöglicht den Abiturienten an der Universität nicht nur zu bestehen, sondern auch erfolgreich ihren Weg zu gehen. Gerade für diese Lehrer ist es notwendig, weiter an strukturellen Verbesserungen zu arbeiten, um ihnen bessere Arbeitsbedingungen vor Ort zu bieten. So ist es durchaus ein Ansatz, Stunden im Budget zu verorten, damit engagierte Lehrer nicht immer in ihrer Freizeit Konzepte für modernen Unterricht erarbeiten müssen – als Beispiel möchte ich hier die alte Forderung von uns Eltern nennen: Nutzung von Synergieeffekten im Unterricht und Verzahnung von Fächern. Hier ist ja jede Art von Verbindung vor-stellbar, aber so etwas geht nicht über Nacht, sondern muss von Lehrern und Fachschaften erarbeitet werden. Dafür sollen sie durchaus Anerkennung in Form von Arbeitsstunden bekommen.

Die Politik auf dem Rücken unserer Kinder wird langsam unerträglich. Wir Eltern fällen die Entscheidung, welche Schule unser Kind besuchen soll, doch nicht nach der Anzahl der Jahre, die es auf dieser Schule verbringen wird. Uns Eltern ist es vor allem wichtig, dass es unseren Kindern am Gymnasium gut geht, dass sie gut auf ihr Leben vorbereitet werden, viel lernen, ohne dabei gestresst zu sein, und sich am Ende gerne an ihre Schulzeit erinnern.

Dabei ist uns die Rückmeldung der Lehrer über unsere Kinder wichtig. Wir hören auf das, was der Lehrer sagt, und ist das Urteil negativ, sind wir betroffen und versuchen, unseren Kindern zu helfen. Wir geben viel Geld für Nachhilfe jeder Art aus und unterstützen unsere Kinder, wo es geht.

Das sollte aber nicht notwendig sein: In den guten Gymnasien, und davon gibt es viele, ist ein Frühwarnsystem selbstverständlich, bekommen die Schüler Material an die Hand, das ihnen hilft eventuell aufgetretene Lücken zu schließen. Der besonders begabte Schüler wiederum bekommt Wege gezeigt, wie er sich „Futter“ holen kann, um seine Begabung zu stärken – kurz gesagt, die Schüler werden individuell gefördert.

Die Errungenschaften der letzten Jahre dürfen auf gar keinen Fall verloren gehen:

Die Schule der Zukunft liegt im Wechsel von Lern- und Lehrphasen. Chancengerechtigkeit setzt voraus, dass das Lernen in den Unterricht implementiert ist und nicht vom Elternhaus abhängt. Die Begabungen der Kinder müssen nicht nur mehr gefördert werden, sondern sich auch in Begabungsprofilen in der Oberstufe widerspiegeln können.

Die individuelle Förderung des Einzelnen muss im Vordergrund stehen, dafür brauchen die Lehrer Zeit, aber kein neuntes Schuljahr.

Mit freundlichen Grüßen

gez.

Die Vorsitzenden:

Susanne Arndt und Rainer Kleybolte © LEV 2013

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