Elternbeirat OvTG

Jahresbericht ElternBeirat 2010/11

Jahresbericht ElternBeirat 2010/11

Das Doppelabitur und das G8 – Versuch einer Reflexion

das vergangene Schuljahr stand ganz im Zeichen des Doppelabiturs, das nicht nur die K13, die Q 12 , Lehrer wie Schulleitung zum Schwitzen brachte, sondern bis hinunter zu den 5.Klässlern uns alle sehr beanspruchte. Für die Abiturienten als auch für die Schulleitung und Lehrer bedeutete dieses Doppelabitur Dauerstress, für die Schüler aller Klassen viel Verständnis und Einschränkungen, aber was ist mit uns Eltern?

Die Berichterstattung der Zeitungen war voller Unkenrufe, das letzte G9-Abitur werde den Abiturienten hinterher geworfen (um Nichtbestehen zu vermeiden), das erste G8-Abitur werde extra leicht gemacht , um die Akzeptanz zu steigern. Statistiken und Datensammlungen, Interviews und Stellungnahmen wurden bemüht, um uns Eltern und Wähler von der „Verbesserung“ zu überzeugen. Aber was wurde tatsächlich besser, und für wen?

Obwohl die meisten unserer Kinder noch nicht im Abiturjahr waren, hatte man doch das Gefühl, es ginge nur noch darum. Die Zukunft unserer Kinder ist unsere Sorge von heute. Reichen die Noten oder sollte man doch mit ein bisschen Nachhilfe vorbauen, kann man die Jahre bis dahin noch für irgendetwas anderes nutzen, und was ist dann danach?

Der Entschluss, das Abitur in 8 statt wie bisher in 9 Jahre zu pressen, scheint wie die Idee einer Frau, sich – von heute auf morgen – in Kleidergröße 38 statt 40 zu quetschen, aber auf eine Diät verzichten zu wollen. Das kneift und zwickt an allen Seiten, der Knopf geht kaum zu, es spannt die Naht bis sie beinahe reißt. Man muss die Luft anhalten und kann sich kaum mehr bewegen.

Irgendwie muss dieses „Kleidungsstück“ Größe G8 nun so gut es geht, angepasst werden. Auch wenn es nur wenig Möglichkeiten gibt, so kann die Summe aller Änderungen doch Besserung schaffen: hier ein Knopf versetzten, da eine Naht herauslassen und vielleicht doch auf den Nachtisch verzichten.

Damit ist eigentlich eine der Hauptaufgaben des Elternbeirates für dieses Jahr definiert. Mehr als je zuvor waren wir Eltern durch das G8 gefordert – vor allem dabei, sicherzustellen, dass unsere Kinder den Anschluss in der Schule nicht verlieren und trotzdem dabei eine gesunde Balance zu erhalten, die gegen ein Übermaß an Schule die dringend benötigten Freiräume für die persönliche Entwicklung unserer Kinder sicher stellt.

Der Elternbeirat hat dabei die sehr begrenzten Möglichkeiten, am G8 etwas zu verbessern, so gut es eben ging, auszunutzen versucht. Eine doppelte Ration Abi-Kekse für die zwei Abiturjahrgänge zu organisieren, war das Wenigste, was wir tun konnten, vermitteln, Zeit und Verständnis aufbringen, das Mindeste. Denn die Schule selbst, die Schulleitung und die Lehrkräfte, von denen durch die zwei Abiture zum Teil Unmögliches verlangt war, mussten sich oft auch noch für Auferlegtes rechtfertigen, mussten irgendwie den normalen Schulbetrieb gewährleisten, während die berechtigten Anliegen und Sorgen der Eltern strukturell nicht adressiert werden konnten.

Gespräche von uns mit Mitgliedern aus dem Kultusministerium, sogar mit Herrn Kultusminister Spaenle persönlich über das G8 und die auch in Zukunft wohl fehlenden Lehrkräfte, waren interessant, aber erwartungsgemäß wirkungslos. Die ursächlich Verantwortlichen sind lange abgewählt, die derzeitige Verwaltung versucht das Mögliche, mit den unbedachten Folgeerscheinungen einer übereilten Reform zurecht zu kommen (Studienplätze, mangelnde Vorbereitung der Hochschulen auf die geänderten Zugangsqualifikationen, fehlender Zivildienst, von den langfristigen Folgen geringerer Sozialkompetenz der Abgänger und vielen anderen ganz zu schweigen) . Erst die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Schüler, die das G8 hervorbringt, konkurrenzfähig sein werden. Erst außerhalb der Schulmauern wird sich herausstellen, ob sie mit G8 auf ein Hochschulstudium und eine Berufsausbildung mit dem richtigen Rüstzeug ausgestattet wurden. Ob sie in dieser verkürzten lernintensiven Schulzeit auch die nötige Reife erreicht haben werden, ist ein ganz anderes Kapitel.

Das Positive aber an dem vergangenen Schuljahr mit den Abiturstrapazen war die wirklich gute und konstruktive Zusammenarbeit vom Elternbeirat mit der Schulleitung, den Lehrkräften, der SMV und auch mit dem Sachaufwandsträger. Allen voran ist unsere Schulleiterin Frau Wischnevsky immer auf den Elternbeirat zugekommen und hat sich unsere Unterstützung geholt, wie wir sie gleichermaßen bekommen haben. In den Reihen der Lehrer und der SMV war unser Beistand ebenso willkommen, wie wir ihre Mithilfe brauchen konnten.

Für diese ausnehmend gute Kooperation sind wir sehr dankbar.

Unsere anderen Projekte

Neben allen Sorgen um das G8 und die qualitativ hochwertige Weiterentwicklung der gymnasialen Ausbildung haben wir mit verschiedenen Projekten versucht, den Schulalltag für alle Jahrgangsstufen weiter zu verbessern und zu einpaar drängenden Problemen wichtige Perspektiven zu geben.

Unser Projekt „Leichter Ranzen“ steht nun finanziell auf sicheren Beinen und die notwendigen Ersatzmaßnahmen für die bisher erworbenen Bestände werden durch die Beiträge der Neuzugänge vollständig gedeckt. Dauerhaft bleibt dem Elternbeirat die Aufgabe der Organisation und Neuverteilung der über 1200 Bücher sowie die Erhaltung und Anpassung des Bestands.

Unsere gute Fee, Constanze Babl, die dem Leichten Ranzen Flügel verliehen hat, hat uns das Angebot gemacht, noch einmal ein Projekt zu Gunsten des OvTG in Angriff zu nehmen: Seit Januar stehen im Schnitt alle 6 Wochen Mitglieder des Elternbeirates auf dem Parkplatz der Schule und nehmen Sachspenden entgegen, die per Ebay verkauft werden.

Vom Erlös der Spenden und durch die Mithilfe begeisterter Eltern wird das Projekt „Interaktive Whiteboards“ ermöglicht. Wenn alles klappt, können die beiden ersten Whiteboards in den Sommerferien aufgehängt werden.

Unsere Bemühungen um die Aufklärung zu den Folgen des Umgangs mit dem Internet gipfelten in einem neuen Vortrag des Internetspezialisten Kriminalhauptkommissar Rainer Richard mit dem Titel „Handy, Mobbing Computerspiel“. Der gut besuchte Vortrag übersetzte bestürzende Einsichten über die negativen Seiten eines unbedachten Umgangs mit den Medien Handy und Internet in pragmatische Hilfestellungen für den häuslichen Umgang. Die anschließende Diskussion mit den anwesenden Eltern war lebhaft, aber sicher für alle Anwesenden hilfreich. Wir werden uns auch in den kommenden Jahren bemühen, kompetente Referenten zu aktuellen Themen, insbesondere der Medienwelt für Sie zu gewinnen.

Der Ausblick

Für die zweite Hälfte unserer Wahlperiode haben wir uns vorgenommen, die begonnenen Projekte so weit wie möglich fortzuführen, und Ihnen als Teil der Schulfamilie ganz im Sinne unserer bisherigen Arbeit weiter beiseite zu stehen und Sie zu vertreten.

Unsere Kinder gehen nicht an irgendein Gymnasium. Sie gehen an das Otto-von-Taube Gymnasium, an dem sehr viel mehr geboten wird als der Lehrplan nach der GSO, der gymnasialen Schulordnung, vorschreibt. Wir, der Elternbeirat, sind stolz darauf, hier unseren Beitrag einbringen zu können und danken Ihnen, den Eltern, für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung, der Schulleitung, den Lehrkräften und den Schülern für ihre Akzeptanz und die konstruktive gute Zusammenarbeit und Constanze Babl fürs Zaubern.

Die Elternbeirat-Basisarbeit und die fortwährende Verbesserung der Situation um das G8 wird auch in Zukunft weiteren Raum bei uns einnehmen, ganz im Sinne von Erich Kästners Wort »Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln«

Herzlichst

Ihre Jasmin Klingan
Vorsitzende des Elternbeirates

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